Venustransit Nachgedanken

von Gunnar Overbeck

 

 

Frischgeduscht und abgekühlt (kaltes Wasser kann so herrlich sein), komm ich auch noch zu ein paar Zeilen für des heutige Astroerlebnis.
Um 5 klingelte der Wecker, eigentlich unverschämt früh für einen Urlaubstag. Aber dann setzte auch das Erinnerungsvermögen wieder ein. Heut ist ja Venustransit.
Also nix wie auf, mit meinem Spatz um den Platz im Bad und unter der Dusche gepokert. Leider kam sie früher dran, also erstmal Kaffe zum Mitnehmen aufgesetzt.
Die Geräte standen ja schon bereit, noch ein paar Kleinigkeiten, wie Sandalen, ein Sonnenschutzhut etc. gesucht und danndas Auto vor die Haustür geholt und los ging es mit dem Einladen.
Nochmals kurz überprüft, scheint alles da zu sein. Also losgeht es.
Der Verkehr in München ist um 6 Uhr 15 noch moderat, aber ich muß doch eine ganze Weile auf dem Ring bleiben, bis es endlich auf die Autobahn Lindau geht.
Da kommt das erste Schockerlebnis. Der Ausdruck der Karte des Treffpunktes ist zuhause auf dem Schreibtisch....grrrr
Also Kartennavigation und Beschreibung aus einer E-Mail.
Bis zur Autobahnausfahrt noch kein Problem, die grobe Richtung ist auch noch klar. Aber es geht auf kleine Landstraßen, und das kostet Zeit. Mittlerweile ist es 10 nach 7......Arrghs
Ich beginne schon nach einer Möglichkeit Ausschau zu halten, wo ich notfalls anhalten kann und mein Instrumentarium auspacken kann, um den Anfang nicht zu verpassen.
Irgendwie wie auch immer, hab ich mich von Süden angeschlichen, obwohl die Beschreibung vom Norden herkommend war. Jedenfalls hab ich den  letzten Kilometer vor mir, mit kurzer Fahrt über einen Feldweg und da seh ich schon ein ganzes Lager voller Teleskope und die dazugehörigen Besitzer.
Ufff, 7 Uhr 18.....jetzt aber fix. Den Dobbi raus, die Sonnenfilterfolie drauf, MacFleck, ein 20 x 80 FG aufs Stativ, auch die Sonnenfilter drauf, den Stuhl aufgeklappt, Okular in die Fockelpinne rein und schon hörte ich jemanden rufen: " Kontakt...!"
Holla.....ich hab es grad noch rechtzeitig geschafft. Nun erstmal in Ruhe das von Mutter Natur gebotene genießen.
Der Einblick in Dobbie lag auf angenehmer Sitzhöhe, die Sonne füllte das Okular zu zwei Dritteln aus und die Venus schob sich langsam Sonneneinwärts.
Der Platz war relativ ruhig, aus einem CD Spieler klang eine schöne Musik, Jeder war an seinem Teleskop und beobachtete. Dann war der 2. Kontakt vorbei. Die Venus stand cirka einen halben Durchmesser in der Sonne, als ein kollektives Aufatmen erfolgte. Die erste Aufregung war vorrüber.
Nun konnte ich auch mir den Platz mal genauer in Augenschein nehmen.
Auch die anderen lösten sich teilweise vom Anblick der Sonne, schauten durch andere Geräte oder ratschten miteinander.
Ein paar Fleißige saßen vor dem Notebook und knipsten, was die Kameras hergaben.
Brotzeit wurde ausgepackt. Auch ich genoss erst mal eine Tasse Kaffee. Zwischendrin immer mal wieder einen Blick ins Fernglas oder den Dobbie. Immer mehr Einzelheiten der Sonnenoberfläche erschlossen sich mir. Zuerst kleine Sonnenflecken und dann auch Farbunterschiede in der Oberfläche sowie die Granulation.
Es war eine richtig gemütliche Stimmung, die von viel Spaß und Freude am gemeinsamen Beobachten geprägt war.
Auch das leibliche Wohl kam nicht zu kurz. Einen Dank hier an dieser Stelle an die Spender und die Organisierer eines sehr guten Leberkäses samt Semmeln und Senf.
Kurz vor dem 3. Kontakt kam wieder Bewegung in Richtung der jeweils eigenen Teleskope in Gang.
Wieder wurde es etwas ruhiger und alle beobachteten gespannt das nahe Ende des Venustransits.
Dann löste sich die Venus endgültig von der Sonne und ein grandioses Schauspiel, in meinen Augen, war zu Ende.
Applaus aus allen Richtungen war zu hören. Und langsam fingen die ersten an, Instrumente, Computer, Kabel und Zubehör wieder einzupacken.
Ich denke, alle waren sich einig, heute etwas wunderschönes beobachtet zu haben. Noch dazu zusammen in einer lustigen Gemeinschaft von Astronomiebegeisterten.
Mir jedenfalls hat es super gefallen und bin froh, den Venustransit in dieser Gesellschaft erlebt zu haben.
 
Viele Grüße und klare Sicht
 
Gunnar