Astro Seals

Kommando Aurora Borealis

 

Ein Reisebericht mit der Hurtigrute im Okt./Nov. 2005 

von Andreas Mackowiak

 

 

Nun war es soweit. Bei herrlichsten Sonnenschein stand ich am Münchner Flughafen und wartete auf das Einchecken für meinen Flug nach Bergen mit umsteigen in Koppenhagen. Ein bisschen kam ich mir schon komische vor, mit meiner dicken Daunenjacke hier zu stehen. Aber schließlich fliege ich ja nach Norwegen, da werden die Temperaturen schon frostig sein, dachte ich mir. Das sollte allerdings ein Irrtum sein. Aber erst mal der Reihe nach.

Jedenfalls war es das erstemal, das ich nicht über eine Gangway vom Terminal in das Flugzeug ging, sondern mit einem Bus raus auf das Flugfeld gefahren wurde und dort erst einstieg. Während des Fluges war gut zu beobachten, das die Bewölkung immer mehr zunahm. Alls ich dann in Koppenhagen landete, war es auch richtig ungemütlich. Total Bedeckt und es regnete. Hoffentlich war das nicht ein böses Ohmen. Schließlich ist ja bekannt, das sich das Wetter und Hobbyastronomen nicht immer verstehen.

Nach 3 Stunden Wartezeit ging es dann weiter nach Bergen. Die Reisegruppe "Nordlicht und Sterne", die ich ja gebucht hatte, wurde auch gleich nach der Zollkontrolle von unserer Reiseleiterin in Empfang genommen. Und es ging erstmal zu unseren Bus, wo wir unser Gepäck verstauten und dann zur einer Stadtrundfahrt durch Bergen aufbrachen. Und das Wetter? Man mag es nicht glauben, aber es hatte eine mittlere Bewölkung und sage und schreibe eine Temperatur von 16°, Plus wohlgemerkt. Also wieder nichts für die Daunenjacke.

Wie uns berichtet wurde, war es zu Zeit der wärmste Herbst den Norwegen seit über 15 Jahren hatte. Was sich allerdings auf die Bewölkung und Stürme auswirken sollte. Während der ganzen Seereise, bis rauf nach Kirkenes, grad mal 10km von der russischen Grenze entfernt, sollten die Temperaturen nie unter 6° während des Tages fallen. Und Schnee gab es auch keinen zu sehen. War ich wirklich in Norwegen? Grübel Grübel.

Nach der besagten Stadtrundfahrt, die ausgesprochen Interessant und von der Reiseleitung nie langweilig durchgeführt war, ging es zum Hafen wo unser Schiff, die MS Trollfjord, auf uns wartete. Auf den Weg dorthin, gab es ein herrlichen Sonnenuntergang mit inzwischen nur noch leichter Bewölkung. Die Hurtigrute ist zwar immer noch dafür da, Fracht zu den Städten im Norden Norwegens zu befördern, aber inzwischen liegt der Hauptaugenmerk auf dem Tourismus. Was man an der "Trollfjord", die 2002 in Dienst gestellt wurde sofort zu bemerken ist. Es sind ausgesprochene Luxusschiffe wie man sie von den Kreuzfahrten in der Südsee her kennt. Allerdings geht es darauf ausgesprochen locker zu. Man braucht auch keinen Anzug um zum Abendessen zu gehen. Legere Kleidung ist angesagt, sprich es ist normal wenn man im Pullover und Jeans dort auftaucht.

22:30 Uhr. Wir legen ab und unsere Reise, die uns über den 71ten Breitengrad bringen wird, beginnt. Inzwischen haben wir das erste Essen an Bord zu uns genommen. Was soll ich sagen, während der ganzen Reise gab es was das Herz begärte, ob Fisch oder Fleisch, in allen Variationen es war immer Hervorragend. Und die Seeluft macht einen auch immer hungrig. So kam auch irgendwann während der Reise der Spruch auf "11 Tage = 11 Kilo". Unser Gepäck wurde inzwischen auch auf unsere Kabinen gebracht. Vor dem Schlafengehen bin ich noch mal auf Deck 9, den großen Aussichtsdeck, gegangen. Inzwischen war Bergen nur noch als kleines Lichterband am Horizont zu sehen. Keine Wolke am Himmel und das Sternenmeer ergoss sich in aller Pracht über uns. Milchstraße mit herrlichen Dunkelwolken, Pleijaden problemlos mit dem Auge als Sterne auflösbar und eine Durchsicht von der wir hier in Deutschland nur träumen können. Allerdings war es auch erst mal gewöhnungsbedürftig den Polarstern bei über 60° zu sehen und der sich ja während der Reise noch auf über 70° raufbewegen sollte. Also Kopf in den Nacken und dann sah man auch die Kassiopeia die sich im Zenit befand. So ging ein doch noch herrlicher Tag zu Ende und meiner einer schlief selig in seiner Koje ein.

Am nächsten Tag begrüßte uns ein herrlicher Sonnenaufgang vor einer überragenden Küstenlandschaft. Also erst mal ein paar Fotos schießen bevor es zu Frühstück ging. Nach dem Frühstück ging es das erstemal auf eine offene Seestrecke, also nicht durch Fjorde und Küstenstreifen auf beiden Seiten des Schiffes geschützte Seestrecke. Ich war schon ein bisschen gespannt, da das meine erste Seereise war und ich nicht wusste wie ich auf Seekrankheit anfällig war. Aber das hat sich während der gesamten Reise zum Glück als kein Problem herausgestellt. 

Unser erster längerer Aufendhalt im Hafen war die Stadt Alsund. Eine sehr nette kleinere Stadt und wo wir uns am Hafen dann auch im Sonnenschein  eins der in Norwegen guten aber auch teuren Biere gönnten. Für ein Bier muß man immerhin umgerechnet 7€ berappen. Um 15 Uhr ging es weiter und langsam stellte sich auch der sogenannte "harte Kern" in unsere Reisegruppe heraus. Also die Leute die immer an Deck zu finden sind, egal bei welchen Wetter. Und die auch Nachts immer mindestens bis Mitternacht ausgeharrt und nach dem Polarlicht Ausschau gehalten haben, auch wenn es bewölkt oder sogar geregnet hat. Da sich in Norwegen das Wetter stündlich ändern kann, wollten wir auf jedenfall nicht das kleinste Polarlicht verpassen. Aus diesem Grund nannte wir uns auch die Crew von Deck 9. Oder nach 2 langen bewölkten Nächten meinte ein Mitreisender, wir wären die Astro Seals, weil wir immer so lange ausharten. Seals ohne Kommandonahmen, das geht nicht. Und der war nicht schwer zu finden, schließlich wollten wir ja Polarlicht sehen. Also die Astro Seals, Kommando Aurora Borealis.

So verging auch der nächste Tag mit Regen Wolken und Sonnenschein, die sich wie gesagt auch teilweise stündlich änderte. Es ist schon beeindruckend wenn wenn sich das Schiff durch enge Fjorde und Sunde durchmanövriert. Als wir am 3.Tag Abends dann Rovik verließen sahen wir eine helles Wolkenband. Auch unser Lektor war sich nicht sicher ob das schon Polarlicht ist. Seiner Erfahrung nach konnte man erst ab den nächsten Tag damit rechnen. Um sicher zu gehen nahmen wir eine Probe davon. Kamera 10sec. aus freier Hand draufgehalten und es zeigte sich auf dem Display als grünes Band. Also eindeutig Polarlicht. Es war zwar noch nichts besonderes, da es sich teilweise hinter Wolken zu sehen war, aber wir hatten einen Tag früher als erwartet unser erstes Polarlicht gesehen.

Am 4.Tag durften wir die Brücke besuchen. Sie ist heut zu Tage auch ein Computergesteuerter Arbeitsplatz. Gesteuert wird das Schiff nämlich mit 2 Joysticks. Wieder ließen wir uns während das Tages von dieser überwältigenden Küstenlandschaft die an uns vorbeizog beeindrucken. Keine Hektik, kein Stress, einfach Entspannung pur.

5.Tag. Am frühen Morgen haben wir den Polarkreis überquert der auf 66°33' nördlicher Breite liegt. Der Meeresgott Neptun stattete uns einen Besuch ab und unterzog uns der sogenannten Polartaufe. Eins kann ich euch sagen, so eine Kelle Eiswürfel ins Genick zu bekommen ist schon sehr erfrischend.  

Am Späten Nachmittig liefen wir Tromso an. Und wieder begann es mal zu regnen. Was uns aber nicht davon abhielt die Stadt zu erkunden. Ca. 1 Stunde vor ablegen war ich an Bord zurück und es ging natürlich sofort wieder auf "unser Deck 9". Inzwischen hatte auch der Regen aufgehört und es waren große Wolkenlücken zu sehen. Und auf einmal war es da. Polarlicht. In den großen Wolkenlücken. Teilweise waren die grünen Leuchtbänder schon über den ganzen Himmel zu sehen. Kaum zu glauben wie schnell die sich bewegen können. Bilder die ich gemacht habe sind zwar super geworden, aber man kann es nicht vergleichen als wenn man es mit eigenen Augen sieht. Das Polarlicht begleitete uns auch noch weiter nach dem auslaufen aus Tromso. Wieder etwas stärker werdende Bewölkung, starker Wind und teilweise Nieselregen konnten uns nicht vom Aussichtsdeck verscheuchen.

Am 6.Tag blieb es Bewölkt, mal mehr mal weniger. In der Nacht war dann das Polarlicht auch leider nur hinter den Wolken zu sehen. Was aber auch nicht schlecht aussah und auch seinen Reiz auf den Fotos zeigte. Auch der Ausflug zum Nordkapp war leider mit schlechten Sichtverhältnissen begleitet. Aber das übliche Tourifoto, wo man an der Nordkappkugel steht, musste schon sein.

7. Tag. Wir erreichen Kirkenes, den Wendepunkt unserer Reise. Wieder ist es bedeckt und uns beschleicht schon ein bisschen die Sorge, ob das schon alles gewesen sein soll, was wir an Polarlicht hatten. Kurz gesagt: Nein. Obwohl es am heutigen und am nächsten Tag dicke Wolken Tags über hatte, waren die Nächte klar. Und das Polarlicht bescherte uns eine Lightshow vom feinsten. Vorhänge quer über den ganzen Himmel mit einer Dynamik in den Bewegungen, das man es nicht glauben kann wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Wir wussten manchmal nicht wo man zuerst hinschauen soll, da der ganze Himmel voll Polarlicht war. so war es auch nicht nötig die Kamera genau draufzuhalt. Einfach ausrichten, und den Auslöser bedienen, drauf war immer was. Außerdem wollten wir uns ja nicht nur aufs fotografieren konzentrieren, sondern diese Lichtspiele einfach visuell genießen.

Allerdings was wir in den Nächten Glück hatten, dafür wollte die Berings-See Tagsüber seine Opfer haben. Sturm mit Winstärke 8-9 und eines Seegangs der nicht von schlechten Eltern war. Seinen Weg auf einer geraden Linie zu folgen war definitiv nicht mehr möglich. Und da sich zur Nebensaison das Schiff mit nur durchschnittlich 150-200 Passagieren besetzt war, im Gegensatz zu Mitsommernachtszeit wo über 800 an Bord sind, war der Speisesaal zum Abendessen  schon ziemlich verweist.  

Der 9.Tag verging ohne besondere Aufregung. Relaxen war angesagt, was einem am vorbeigleiten der Küstenlandschaft nicht schwer fällt. Auch Nachts ließen die Wolken keine Chance wieder Polarlicht zu sehen. Man bekam auch einen ersten Eindruck von der Polarnacht. Mit der Bewölkung und der inzwischenen Zeitumstellung war es spätesten um halb vier Uhr Nachmittags stock dunkel. Ist schon ein komisches Gefühl.

Der letzte Seetag begann mit einem grandiosen Sonnenaufgang und Norwegen zeigte sich von seiner besten Seite. Den ganzen Tag Sonnenschein und die entlanggleitende Helgelandküste, ein Traum. Die Lichtspiele die sich da abspielen sind einfach nicht zu beschreiben, was auch damit zu tun hat, das die Sonne selbst zur Mittagszeit nicht über eine Höhe von 10° steigt. So wie der Tag angefangen hat, ging er auch zu Ende. Mit einem phänomenalen Sonnenuntergang. In der Nacht zeigte sich noch einmal ein leichtes Polarlicht hinter den schwachen Wolken, die inzwischen aufgezogen sind, so als wollte es uns zum Abschied noch einmal zuwinken.

11. und Abreisetag. Am Morgen nach dem Frühstück gingen wir in Trondheim von Bord. Eigentlich wollte keiner die Trollfjord verlassen. Ich kann einfach nicht richtig beschreiben, wie sehr mir die Reise gefallen hat. Und so ging es nach einer Stadtrundfahrt zum Flughafen und zurück nach Deutschland.

Eines kann ich aber mit Sicherheit sagen. Norwegen und das Polarlicht wird mich wiedersehen. Und ich hoffe, das es nicht allzu lange dauern wird , das ich wieder rauffahren kann.  

 

Bis Dann

Andreas Mackowiak