Eine Weinberggeschichte

von Andreas Müller

Fotos von Andreas Mackowiak

 

 

 

Und so begab es sich zu der Zeit, das eine Botschaft verkündet wurde,
auf das sich alles junges Volk zum Berge Paunzhausen begeben möge, zu
sehen die Wunder des Kosmos und der modernen Glasschleiferkunst.  Und
es ward erwiedert mit großer Vorfreunde, und als die Verkünder sahen,
wie viele Menschen dem heiligen Orte engegenströmten, überkam sie
plötzlich Angst ob dieser Menschenmassen, das es nicht möglich sein
würde sie alle zu beherbegen.  Alsdann, einer von ihnen sendete aus
eine weitere Botschaft über die mystischen Sphären des Internets:

"Bitte laßt uns nicht alleine!"

IMG_2764.JPG (141891 Byte)          IMG_2767.JPG (97819 Byte)         IMG_2769.JPG (108030 Byte)


Und das Glück war den Männern hold, auch diese Botschaft ward alsbald
erhört, von einer Schar wackerer Nicht-Ordensleuten, welche da kamen
als Dobsonauten, Spiegelschleifer, Bäcker, Beamte, und aus viel anderem
wundersamen Gewerken. Sie kamen alsdann angereist in großer Zahl, zu
helfen das Werk zu vollbringen, und sie brachten gar merkwürdige Dinge
zum Berge des Weins, von imposanten Maßen von 16 und 17,5 Zoll, große
und kleine Röhren der vielfältigsten Form, alleine auf ihren Gestängen
schwebend oder zu zweit, mit Kästen von schöner Form aus edlem Holz
geschnitzt, und mit Spiegeln aus feinstem handpoliertem Glas belegt.
Fürwar, ein Schaffen und Treiben, auf das Brüder und Schwestern aus
anderen Orden fern von hier sicherlich mit großem Erstaunen betrachtet
hätten, wurde doch allgemein angenommen das solch Gewaltiges nur mit
viel Zeit und Müh' und noch mehr Taram zu erschaffen sei.

 

IMG_2770.JPG (68004 Byte)     IMG_2776.JPG (86577 Byte)     IMG_2780.JPG (58277 Byte)

IMG_2777.JPG (68806 Byte)          IMG_2782.JPG (72609 Byte)

Und siehe, als alle in ihren Bemühngen fortgeschritten waren gab eine
solch wundersame Erscheinung, welche von den Männern Sudan und Wendl
benannt  und mit großer Freude empfangen da niemand an diesem Tag mit
so etwas gerechnet hätte.  Nun waren es derer 13 oder 14 auf dem Berg,
jeder emsig und fröhlich und bemüht sein Werk zu vollenden.  Jedoch,
als es dunkel zu werden begann richteten sie ihre Blicke gen Himmel,
und eine große Sorge ward plötzlich in ihre Gesichter geschrieben ob
des heranziehenden Gewölkes. Doch da hörten sie die jungen Menschen
bereits herannahen, mit hellen Fackeln in Begleitung erfahrener Führer,
und so vergaßen ihre Sorgen für den Augenblick und begrüßten die
herannahende Schar aufs herzlichste.  Und wieder war da ein fröhlich
Lachen und Scherzen, Laufen und Tollen, bis sich schließlich eine
gewaltige Stimme aus der Menge erhob und verkündete:

IMG_2795.JPG (98209 Byte)     IMG_2796.JPG (86314 Byte)     IMG_2797.JPG (93100 Byte)

"Die Taschenlampen bleiben ab sofort aus!"

Und so geschah es. Nur zwei Kerzen, ein winziges Stäbchen mit grünen
Strahl, und eine dicke mit kräftigen weißem Strahl, dienten fürderhin
als Weiser für die Wunder des Universums. Und es ward gezeigt Vega und
Arktur,und das W des Himmels mit Namen Kassiopeia, und der Nordstern
darunter und wie man ihn finden könne in dunkler Nacht. Und die
Menschen lauschten den Worten mit großer Aufmerksamkeit, und sie zeigten
selber großes Wissen auf alle Fragen die ihnen gestellt worden. Die
Ordensleut' waren ob dieser Klugheit sehr angetan, und verteilen viel
Lob und kleine süße Gaben in buntem Papier zum Verzehr. Und sie sahen
ein Raumschiff fliegen durch die Nacht, strahlend wie der hellste Stern
hoch droben im Himmel, und es ward ihnen gemeldet das dieses
Himmelsschiff den schönen Namen ISS trägt. Auch später, zur Freude
aller, war noch einmal solch ein Ereigniss zu vermelden, welche alle mit
großen Jubel erwiderten.

IMG_2788.JPG (64712 Byte)     IMG_2789.JPG (63091 Byte)     IMG_2792.JPG (111794 Byte)

Aber die Geister des Berges waren verwirrt ob so vieler Menschen und
all dem Treiben, und ärgerten sie mit Wolken und gleißenden
Lichstrahlen genannt Skybeamer, welche alsbald den Horizont erobert
hatten. Aber die jungen Menschen waren weiter frohen Mutes und
versammelten sich alsbald voller Vertrauen um die Apparaturen, zu
sehen mehr von den Wundern der Nacht, und zu hören von den Geschichten.
Und sie lauschten erstaunt, und schauten durch die imposanten Röhren
welche sich majestätisch gen Himmel streckten, sahen das Farbenspiel
von Albireo, das Glitzern des der Sterne im Herkuleshaufen, die feinen
Ring in der Leier und der Nebel der aussieht wie eine Hantel. Sicher,
manchmal verharrten sie minutenlang vor dem Gerät, und es schien das
sie vielleicht noch nicht bereit waren zu sehen all die Sachen die
unsere wackeren Helden ihnen erzählt hatten. Dann wurden dicke Bücher
hervorgeholt, mit Bildern von Galaxien und Nebeln, vom Mond und den
Planeten, von Kometen und Sternschnuppen. Und später, es war bereits
in der Mitternachtstunde, erschien ein neuer Stern am Horizont, rot
und funkelnd und strahlend hell. Und die Schar der Menschen, die bis
dahin, erfüllt von all den Eindrücken, ruhiger geworden war begann
erneut zu jubilieren und an die Apparate zu laufen. Und siehe, der
Stern, den sie Mars nannten, war wirklich recht hübsch anzusehen, mit
einer kleinen weißen Kappe, und Schatten auf der gluroten Oberfläche.
Und alle freuten sich und schauten, und erzählten mehr von den
wundersamen Dingen im Universum, bis weit nach Mitternacht, als auch
die letzten der Jungen Menschen mit einem Leuchten in den Augen von
Dannen gezogen waren.

IMG_2793.JPG (78390 Byte)     IMG_2786.JPG (61484 Byte)     IMG_2783.JPG (76668 Byte)

Und schließlich, nachdem sie ihre Apparaturen in Kästen und Wagen
verstaut hatten, machten sich auch die Nicht-Ordensleute und treuen
Gefährten auf dem Heimweg. Es wurden Hände geschüttelt vielmals, und
Dankesworte ausgetauscht, und jeder von ihnen zitierte jene
geheimnisvolle Formel des Bundes, bevor er in der Nacht verschwand:

"Hast Du heute schon Beugungsscheibchen beobachtet?"




Ähnlichkeite zu bekannteren Geschichten sind natürlich rein
zufällig;-)


Grüße, Andreas