Wahnsinns Seeing in der Nacht vom 20. auf 21. März 2005
von Michael Wendl

 

 

Hallo zusammen,


Es sah zwar nicht so gut aus - eigentlich überhaupt nicht gut -  dass es klar werden soll in der Nacht von
Sonntag auf Montag, als ich gegen 11:08 Uhr MEZ über den ATMN-Verteiler zur allgemeinen Beobachtung
aufrief. Aber ich hatte wieder mal geheime Wetterinfo's ;-) und das Teleskop samt Ausrüstung war schon
im Auto. Gegen 20 Uhr MEZ versuchte ich nochmals telefonisch Mitbeobachter zu rekrutieren - erfolglos.
Meldungen von München, Wiedenzhausen und Germering - alles Dicht wo soll es da klar sein - nah in
Eching natürlich !!! Wo denn sonst - ca. 80% klarer Himmel und es sieht nach einem spitzenmäßigen Seeing
aus - aber keine Wirkung.... Ich fuhr also los und war so gegen 21:10 Uhr MEZ am Beobachtungsort.
Mit dabei war mein guter 150/1200mm Refraktor (Phönix) - der Bresser-Achromat - mit seiner Goto4all-EQ5-
Montierung.

Ok - es waren jetzt zwar nur noch 40-50% vom Himmel zu sehen, aber ich musste ja noch das Teleskop aufbauen
und einiges herrichten. Als das Teleskop ausgerichtet war und ich den Himmel wieder genauer beäugte waren
wieder so 70-80% frei - leichte Zirren um den Mond, die immer wieder für einen Hof um den Mond und 1-2
Mondkränze sorgten.

Eigentlich wollte ich ja einiges an Deep-Sky-Objekten als beobachtet abhacken und auch mit meiner Minolta
Digikamera Aufnahmen am Teleskop machen, aber ich hatte wohl eine Schachtel mit dem Adaptertubus liegen
gelassen. Also legte ich die Kamera wieder weg und schwenkte mein Teleskop zum Saturn, weil er mich so anlachte.

Ach ja ich hatte meinen neuen Bügelstuhl vom Lidl und die neue Energiestation vom Norma dabei - Der Bügelstuhl
wie auch die Energiestation haben ihre Einführungstest's mit einem "Sehr gut" bestanden.

Also wieder zum Saturn, die Goto-EQ5 war gut ausgerichtet, denn er war schon bei 100-fach genau mittig drin.
Der Planet war mir aber zu klein - habe ihn nicht mal so genau angesehen - und so habe ich das 4,7er Ultra-Wide-Okular
von Meade in den Okularauszug gesteckt ( das ergibt eine ca. 266-fache Vergrößerung ) scharf gestellt und wumm
es hätte mich fast vom Bügelstuhl gehauen - der Saturn stand da wie fotografiert kein Wabbern keine Unruhen im Bild
Details in der Saturnatmosphäre und in den Ringen sprangen mich nur so an. Ich konnte meinen Blick nicht mehr abwenden
die Monde vom Saturn waren wie feine Nadelstiche zu sehen immer mehr Details konnte ich sehen. Cassiniteilung wie
mit einer Schere ausgeschnitten auch an der Stelle von der Enketeilung konnte man leicht was erkennen.

Ich beobachtete den Saturn schon fast 30 Minuten - außer einer leichten Unruhe, die schnell wieder verschwand war das Bild
die ganze Zeit ruhig. Nun holte ich das 2,5er LV Okular von Vixen raus (480-fach) - Scharfstellen war kein Problem - keine
Luftunruhe auch bei der Vergrößerung - der Planet stand einfach ganz ruhig da. Ich konnte es nicht fassen!
Nun ging ich aufs Ganze - die 2-fach Barlow und das 4,7er waren dran (knapp 511-fach) - das Planetenbild wieder ruhig ohne
wabbern vielleicht etwas flauer, aber dennoch sehr schön anzusehen. Die leichten Zirren störten nicht. Dann wollte
ich doch mal wieder zurück auf den Boden der Tatsachen und steckte in die Barlow das 12mm LV Okular von Vixen rein
(200-fach) und stellte den Saturn scharf - der Wahnsinn, da ich keinen genauen Plan hatte konnte ich nicht so gut unterscheiden was da jetzt ein Stern war oder ein Mond vom Saturn - es waren aber bestimmt einige Monde.
Leider hatte ich kein Stift dabei um eine kleine Skizze zu machen.

Nach ca. 1,25 Stunden Saturnbeobachtung schwenkte ich dann doch mal zum Mond rüber - er war ja so aufdringlich in der
Nachbarschaft und wollte auch meine Beachtung. Krater und Kleinstkarter lachten mir entgegen und auch beim Mond
war die Luft sehr sehr ruhig - so was hatte ich noch nicht erlebt. Ich musste doch noch mit der Kamera was festhalten
- zumindest eine kleinen Test machen, also hergeholt und eine kurze Sequenz freihändig gemacht, mal sehen was daraus
wird.
Doch der Mond konnte mich nicht lange halten, der Jupiter rief -komm rüber, komm rüber zu mir. Er stand schon recht hoch und es waren keine Zirren in dessen Nähe zu sehen. Also herumgeschenkt mit 200-facher Vergrößerung und drinnen war er.
Das Goto haut ja wieder sehr gut hin. ;-) Natürlich war mir der 200-fache Vergrößerungsanblick zu klein. Also Barlow raus
- wir wollen ja nicht übertreiben :-))))) - und das 4,7er wieder rein. Anmerkung, für solche Nächte sollte ich den Bügelstuhl
an den Füßen mit Blei beschweren. Es war jetzt schon fast a bisserl unheimlich, ein kühlerer Wind hauchte um mein Teleskop
herum, ein Waldkauz sang sein Lied in nahen Wäldchen und der Planet stand wie eine eins da. Wieder kein Wabbern und kein Flimmern - Details über Details konnte ich im Okular sichten. Die unterschiedlichen Größen der Galileischen Monde
waren schon so nebenbei deutlich zu sehen, auch konnte man den Scheibchencharakter leicht ausmachen. Io musste kurz
vorher vom Jupiter bedeckt worden oder vor diesem durchgegangen sein, da er sehr nahe bei Jupiter stand. Der große
Rote Fleck war wie ausgestochen und es waren sogar einige Details im Wirbelsturm zu sehen. Ich schaue mir den Jupiter
mit verschiedenen Farbfiltern und dem 4,7er Okular an und konnte immer mehr Details sehen. Nach ca. einer weiteren Stunde
Jupiterbeobachtung steckte ich wieder das 12er Okular ein um mit meiner Z2 nochmals Aufnahmen freihand zu machen.
Mal sehen was da sich so ergibt, die Rohaufnahmen schauen schon mal nicht so schlecht aus für freihändig.

Nach ca. 15-25 Bilder dachte ich mir, eigentlich wollte ich doch auch Deep-Sky-Objekte sehen, ok dann schau ma mal was so
geht. M3 - schön, M51 - auch sehr schön zwei Kerne und a bisserl Nebel drumrum, M63 - auch zu erkennen, Jupiter....
Jupiter wie kommt denn der wieder ins Okular ;-). Das muss wohl seinen gravitative Anziehung sein - ok Du bekommst auch
noch dein 511-faches Beobachtungsfenster. Also, das 12er raus und das 4,7er mit der 2-fach Barlow rein - gut, das ich
meine 3-fach Barlow ned dabei hatte, wer weiß was ich sonst noch angestellt hätte, he he he.
Die Luft war schon unverschämt ruhig zuerst, aber es kamen nach weiteren 30 Minuten dann doch deutlich Luftunruhen auf.

Das Auto und mein Teleskop waren nun deutlich vereist - da viel mir doch was ein ich hatte ja ein ganz wichtiges Objekt
vergessen - M57 !!! - der muss noch mit, also Okular gewechselt (jetzt ein 20mm ohne Barlow) und rübergeschenkt - manuell.

Wieder bei M3 hängen geblieben, dann noch so ein komischer Doppelstern und dann war die Region drinnen. Zuerst Vega,
die hatte so einen komischen Saum - ich schwenkte weiter zu M57 aber was war los, keine Sterne mehr zu sehen.

Ich leuchtete auf die große Linse und sah das schreckliche - außen war die Linse schon mit einem Raureif überzogen und
zur Mitte hin war der Rest der Optik angelaufen. Also war die Beobachtungsnacht beendet, es war schon 1 Uhr MEZ und sehr
kalt, da ich mich etwas zu kühl angezogen hatte. Ach ja, ich hatte wieder meine Led's an den Füßen (meine heißen Sohlen),
die hatten gute Arbeit geleistet.

Also ich kann euch sagen so eine Planetenbeobachtungsnacht hatte ich noch nie in meiner 8-jährigen Teleskopzeit. Was
wäre wohl am 17,5-Zöller vom Franz Peter gegangen- ich möcht es mir garned vorstellen. So gefesselt haben mich die
Planeten schon lange nicht mehr - ihr habt euch da wirklich was entgehen lassen.

Ich bin auch garned bös', dass ich keine gescheiten Aufnahmemöglichkeiten hatte, denn so ein visuelles beobachten bringt
schon einiges mehr.

Also ich hoffe mal es dauert nicht wieder 8 Jahre bis wieder so eine ruhige Nacht mit so einem spitzenmäßigem Seeing kommt.