Hobby-Astronom vom Öffnungs-Fieber  geheilt!

von Martin Meininger

 

 

Ich war die letzten Tage zum Skifahren in Innzell und am Mittwoch Abend gab es
gleich einen sehr schönen klaren Himmel. Natürlich geht man ungern ohne Optik
längere Zeit aus dem Haus, und so hatte ich meinen 114/900 TS-Newton dabei. Ich
habe ja immer die Befürchtung, dass mir das Teil keinen Spass mehr macht, weil
ich ja auch einen 8" Dobson habe, aber diese Vermutung wurde kräftig
wiederlegt!

Einen guten Teil hierzu hat sicher die sehr gute Durchsicht beigetragen. Nur im
Osten war der Himmel vom nahen Innzell etwas aufgehellt, aber sonst dürfte es
(geschätzt) ein guter 6er Himmel gewesen sein.

Angefangen habe ich den Abend mit einigen Standard-Objekten des Winterhimmels
und schon hier war der Abstand zum 8"er oft erstaunlich gering. M42 ist wohl in
jeder Optik schön, aber auch der Running Man war noch ansatzweise zu sehen!
Selbst mein derzeitiges Lieblings-Testobjekt, der Rosettennebel, ging im 32er
Plössel mit UHC dank etwas mehr Gesichtsfels als im Dob (1200 vs. 900mm
Brennweite) aber eben auch mit 4mm AP sehr gut! Die offenen Sternhaufen im
Einhorn (M46,47,50) waren natürlich auch kein Problem für den 4,5-Zöller und
boten einen sehr schönen Anblick. Es gab auch Objekte, die nicht so doll
gingen, z.B. der Flammennebel. Dafür habe ich bei der Suche nach diesem (der
Telrad war nur sehr grob justiert) im vorbeigehen M78 gefunden und bewundert.

Dann war es schon etwas später am Abend und Leo stand schon schön hoch. Und das
war wirklich eine Überaschung für mich! Besonders gut hat mit hier das
Leo-Galaxien-Triplet gefallen (M65,M66,NGC3628). Alle drei waren nicht nur
leicht zu sehen, sondern zeigten auch sehr schöne differenzierte Formen. M65
elliptisch und schön symmetrisch, M66 dagegen deutlich in eine Richtung
langgezogen. NGC3628 schließlich nur ein schwacher Balken. Auch die Gruppe
M95,96,105,NGC3384 war ohne Schwierigekeiten zu finden, ebenso NGC2903. Es
waren also alle 8 im Karkoschka verzeichneten Galaxien nicht nur zu finden,
sondern sie zeigten auch deutliche unterschiedliche Strukturen!

Schließlich noch einige Galaxien in UMa. M51 und Begleiter, allerdings ohne
Spiralarme (da kann der 8"er dann doch mehr). M81/M82, hier waren die
Staubstrukturen bei M82 auch noch gut zu erkennen. Und schließlich M101. Laut
Karkoschka eine Galaxie mit 14m Flächenhelligkeit, aber ohne Schwierigkeiten zu
finden!

Fazit: Eine kleine Optik unter einem guten Himmel kann leicht genauso viel
Spass machen, wie eine deutlich größere Optik unter einem mäßig guten Himmel.
Meine Motivation in dieser Richtung wurde übrigens vom Deepsky-Reiseführer von
R. Stoyan angefacht, den ja einige von euch kennen. Die Objektbeschreibungen
darin, die oft sehr viele Details enthalten, beziehen sich meistens auf Optiken
von 100-120mm Öffnung, und da gibt es wirklich viel zu entdecken! Den 8" Dobson
werde ich deswegen aber auch nicht in der Ecke verstauben lassen ;-)

Bis bald unter hoffentlich sehr gutem Himmel!

Gruß,
Martin