Unverhofft

von Sudan Jackson

 

 

 

Hallo Freunde,

hier in Lichtenberg ist komplett frei - und komplett ohne Landeverkehr
zum Köln-Bonner Flughafen!  Die Milchstrasse erschlägt einen förmlich
und die Luft ist schön windstill.

Habe schon mit dem Spechteln angefangen bevor es richtig dunkel wurde.
Es waren viele Wolken am Himmel zu sehen aber imich hat das nicht
getört weil ich einfach mal einen kleinen Test machen wollte. Mein 6"
Refraktor hat einen neuen 2" Crayford bekommen und noch dazu einen
Fringe-Killer. Der Unterschied ist enorm. Das Fokussieren ist nun ein
Kinderspiel, kein Shifting und die hellsten Sterne zeigen mit dem
Filter nun keine Farbsäume mehr.

Dann war plötzlich überall richtig frei. Die Beute war bisher echt
nett - ich gehe gleich wieder raus und hole mir den Jupiter rein.  Was
habe ich beobachten können:

Nordamerika-Nebel:
Fett. Einfach fett. Die Bucht von Mexiko wie aus einem Atlas. Der
Nebel kommt im 24er Hyperion richtig gut raus, im 30mm SCOPOS Extreme
dann auch noch den ganzen Kontinent deutlich zu erkennen. Alle Umrisse
wie dahin gemalt. Schön.

IC 1318
Der Nebel um den zentralen Stern des Schwans. Mit 0III-Filter gerade
noch auszumachen - deutlich irgendwie nebelig um den Stern und seinen
Nachbarn herum als hätte man am Okular geschmiert. Sonst recht
unscheinbar im und 6" Refraktor gerade mal zu sehen (aber nur wenn man
weiss, dass er da sein soll) und unter 16" keinen Besuch wert.

Das Cirrus-Nebel-Komplex - der Überrest eines Supernovas:
NGC  6952 (Sturmvogel) und NGC 6960 (Knochenhand) beider SEHR deutlich
mit OIII zu sehen. Mit 24mm Hyperion einfach ein Genuss. Die Teile
springen richtig ins Auge, beim indirekten sehen kommen deutliche
Details raus. Der "hintere" Teil des Sturmvogels löst sich mit dem 6"
Refraktor in zwei dünne Arme auf und die Spitze zeiht sich win eine
Nadel zu. Die Knochenhand hebt sich im 13mm Hyperion deutlich vom
Hintergrund ab und zeigt wolkige Verwirbelungen am unteren Teil. Der
"Arm" oberhalb der "Hand" leuchtet hell auf.  Im 16"er geht die Reise
noch tiefer hinein. Der Nebel wirkt wie eine große Wolke die im 7mm
Nagler richtig durchforstet werden kann. Wie fette Watteteile kommt
der Nebel daher und lädt zum gemütlichen "Abfahren" ein. Wahnsinn.

Was mich noch mehr an "meinem" Himmel beindrückt als die zwei
meistbesuchten Teile des Cirrus-Nebels: selbst im 6" Refraktor kann
ich "Pickering's Triangular Wisp" (NGC 6979) deutlich erkennen wie er
sich um eine kleine Kette von Sternen schmiegt! Dann habe ich die
ganze Übung ohne Filter probiert. Die Knochenhand kann man bei
leichter Konzentration erkennen - alles Andere: "Lights Out" ;-)

M29
ein schöner kleiner Sternhaufen im Schwan. Für mein Empfinden seuehn
die 6 oder 8 hellsten Sterne aus wie ein Schmetterling (ich weiss, es
gibt den Schmetterlingshaufen M6, aber das hier sieht für mich mehr
danach aus).  In einem der aktuellen populären Astro-Heften steht,
dass dieser Haufen an die Plejaden erinnert - halt nur extrem kleiner
- dieses Bild will sich in meinem Kopf nicht durchsetzen. Ich sehe
immer noch einen Schmetterling ;-)

M27
einfach schön. Im UHC und mit 24mm Hyperion ein Leckerbissen. Die
abgedunkelten Teile wollen sicht nicht wirlich vom ganzen Nebel
abgrenzen, trotzdem ein toller Anblick im Refraktor.

Andromeda  Galaxie M31 mit Begleiter M32 / M110
Der Himmel ist heute gut - M31 ist so hell, dass ich mit dem 6"
Refraktor (150/750) und 24mm Hyperion ein wenig schwenken muss um die
ganze Galaxie zu sehen. M32 sticht voll ins Auge und scheint fast noch
im Dunst von M31 zu schweben. Was ich nicht erwartet habe: eine
Andeutung vom Staubring der sich quer durch das Dunstige ausserhalb
des Kerns vom M31 zieht.

Mirach's Geist - NGC 404
hoppla - da ist er. Im 6" Refraktor erst im 7mm Nagler zu sehen, aber
definitiv da. Ein netter Anblick.

Nicht schlecht für eine Nacht wo ich einfach mal den neuen Auszug
testen wollte. Unverhofft kommt leider nicht so oft, aber wenn - dann
macht das Beobachten mal wieder richtig Spass.

Cheerio,
Sudan