Silvretta – Den Sternen so nah.

von Andreas Mackowiak

 

 

 

Anfang dieses Jahres haben der Helmut und ich uns entschieden unser langjähriges Projekt, endlich einmal uns den hochalpinen Himmel anzutun, in die Tat umzusetzen. So haben wir uns für ein Zeitfenster in den letzten 2 Wochen im August 2009 vorgenommen. In dieser Zeit wird es wohl hoffentlich mal eine Schönwetterperiode von 3 bis 4 Tagen geben. Einmal muss doch mal das Wetterglück auf unsere Seite sein.

Unser Ziel. Silvretta!

 

8. August 2009

Jetzt eine Woche vor unserem Zeitfenster schauen wir schon immer wie die Wetterentwicklung ist. Leider ist noch kein Trend absehbar. Werden mal in unserer vorgesehenen Gasthof anrufen, ob die schon eine Wetterprognose abgeben können.

Auch steht noch nicht fest, wer sich uns anschließen wird. Anfang des Jahres waren es einige die mitfahren wollten. Mal sehen wer sich doch noch durchringen kann, oder ob der Helmut und ich als Einzelkämpfer es durchziehen werden.

 

Sonntag, 16. August 2009

So, die Wetteraussichten sehen ganz gut aus. Von Dienstag bis Donnerstag soll es klaren Himmel in den Nächten geben. Nur von Donnerstag auf Freitag scheinen Wolken aufzuziehen. Also haben wir Nägel mit Köpfen gemacht und im Gasthof Piz Buin Zimmer bestellt. Von den ATMN'ler werden uns nur der Johann und der Ralf auf den Berg begleiten.

 

Dienstag, 18. August 2009

Gegen Mittag sind der Helmut und ich dann gegen Österreich aufgebrochen.

Nach einer gemütlichen Fahrt von 3 ½ Stunden sind wir dann auf der Bielerhöhe angekommen. Stahlblauer Himmel mit ein paar Schäfchenwolken und angenehmen 20 Grad. Bei uns in München hatte es zu diesen Zeitpunkt über 30 wie ich erfahren habe. Da war es richtig angenehm hier.

Als erstes haben wir uns den Parkplatz angesehen, wo wir beobachten wollten. Viel Platz, nur ein paar Wohnmobile am Rand. Die sollten uns aber nicht stören. Jetzt zu dem Gasthaus, was nur 800m entfernt ist und erstmal einchecken. Die Zimmer sind i.O. im Piz Buin und die Gastleute sehr nett. Wir haben die Zimmer mit Halbpension gebucht, was sehr zu empfehlen ist, da das 4-Gänge-Menü einfach hervorragend ist. Das sollte man sich nicht entgehen lassen.

Gegen 16Uhr stießen dann der Ralf und der Johann vom ATMN auch zu uns. Nachdem wir besagtes Abendessen eingenommen hatten, brachen wir dann zum Spechtelplatz auf. Dort lernten wir den Bernhard aus Hannover mit seinem 18" kennen.

Also erst mal aufbauen. Die letzten Schäfchenwolken hatten sich verzogen und so hatten wir den vorhergesagten klaren Himmel. Endlich hatte auch der Wettergott mit uns mal ein einsehen. Es war zwar noch nicht ganz dunkel, aber schon sah man die Milchstraße. Als es dann richtig dunkel war kam sie dann in voller Pracht heraus. Bis zum Horizont hinunter. Einfach ein Traum sie bis zum Scorpio zu sehen mit den ganzen Dunkelwolken, Schildwolke und auch schon hier und da ein Messierobjekt mit bloßen Auge.

Jetzt aber an die Geschütze. Gegen Helmut sein 14"ler und Johann sein C11 sah mein C8 schon ganz niedlich aus. Ralf unser Fotograf hat sich auch schon hinter seinen Laptop verzogen und schoss eine Aufnahme nach der anderen.

Eigentlich darf ich es ja gar nicht laut sagen , aber in der ersten Nacht habe ich fast nur Standardobjekte angesehen, wie M57, M31, M13, M17, M51 usw.

Aber man muß halt sagen, das man in 2000m Höhe, bei so einem Himmel, die Objekte neu vorkommen. So war es mir bis jetzt nicht möglich gewesen, an unseren Spechtelplatz bei München den Verbindungsarm von M51 und NGC 5195 zusehen. Selbst leichte Spiralarme waren zu sehen. Oder bei M8 mit UHC Filter solche klaren Strukturen im Nebel zu sehen war einfach genial. Selbstverständlich waren auch Erstsichtungen dabei. Wie z.B. NGC7742, NGC6440 und NGC6469.

Auf jeden Fall, jede Menge an Objekten um alle hier aufzuzählen.

Gegen 03:30 kam bei Ralf, Johann und meiner Wenigkeit anscheinend das Sandmännchen mit den extra großen Sack Sand für die Augen vorbei. So das wir trotz des Himmels zusammenpackten und uns aufs Ohr hauten. Nur der Helmut scheint sich rechtzeitig geduckt zu haben, denn er hielt tapfer bis zum Morgengrauen aus.

 

Mittwoch, 19. August 2009

09:30Uhr. Johann, Ralf und Ich finden uns zum Frühstück ein. Mann merkt das wir in einem Bergwandergebiet sind. Die Wanderer die auch im Piz Buin übernachten haben das Buffet schon ganz ordentlich geplündert. Klar, die haben ausgeschlafen und waren logischerweise bei Frühstücksbeginn anwesend. Aber es ist noch immer genügend da um sich bis zum Abend, wenn es das Menü gibt, satt zu essen. 10 Minuten vor Toreschluß (Frühstückende) taucht auch der Helmut auf.

Den Tag verbrachten wir mit Schlaf nach holen, etwas am Stausee spazieren gehen und es sich einfach gut gehen lassen. Auch haben wir mal die Sonne mit dem PST ins Visier genommen. Aber leider war fast nichts los auf unseren Wärmespender. Wir sind das ja leider seit einiger Zeit gewohnt. Und wieder fällt das böse Wort „Mounderminimun". Keiner von uns hofft, das so was wieder eintritt. Das würde nämlich ein Sonnenfleckenminimum von 70 Jahren bedeuten.

Am Nachmittag lernen wir Gerd, Paul, Micha und Ulli aus Backnang kennen. Sie kamen unter anderen mit einen 30" Dobson. Eine wirklich sehr nette Truppe.

Nach wieder einem hervorragenden Abendessen trafen wir uns wieder auf den Parkplatz zum aufbauen. Dort trafen wir dann noch einen Neuankömmling. Ronald Stoyan, Chefredakteur von Interstellarum, gesellte sich mit seiner Frau auch zu der Spechtelgemeinschaft. So waren 11 Leute, laut Roland, so viele wie er noch nie hier beim spechteln gesehen hatte, anwesend.

Als wir aufgebaut hatten und die Nacht herein brach, zeigte sich das es wieder eine wunderschöne Sternenklare Nacht werden würde. Und schon ging die Jagd los. M20, M21, NGC6546, NGC6530, NGC6544, NGC6553, NGC6814, NGC6804, NGC6781, NGC6738. Hier hör ich mal wieder auf aufzuzählen, sonst werde ich nie fertig mit diesen Bericht. Auf jeden Fall waren etliche Objekte wieder Erstsichtungen in meinem C8. Dazu kam noch Jupiter. Bei dem hervorragenden Seeing ein Genuss. Dazu kam noch das man die Monde von Ganymed, Europa und Ganymed selber vor Jupiter sehen konnte. Ein tolles Schauspiel.

Dann rief uns der Gerd zu sich um mal ein Blick durch den 30"ler zu wagen.

WOW, kann ich da nur sagen. Die Spiralarme an M31 zu sehen war schon grandios. M33 sah so aus, wie M31 in meinem C8. Die Knochenhand so struktureich wie auf einen Foto. Einfach umwerfend. Auch M13 und M57 brannte sich auch noch in die Netzhaut. Nochmal vielen Dank an den Gerd für diesen überwältigenden Anblick.

In dieser Nacht brachen wieder der Johann, Ralf und ich gegen 3Uhr die Zelte ab. Helmut und die Backnanger hielten weiter bis Sonnenaufgang durch.

 

20.August 2009

Nach einem späten Frühstück trafen wir am Nachmittag mit Gerd, Micha, Ulli und Paul auf der Terrasse des Piz Buin. Das war ein netter kleiner Astrostammtisch bei Kaffee und Radler.

Leider war uns in dieser Nacht das Glück nicht mehr holt. In dieser Nacht haben wir nur mit den Feldstechern durch Wolkenlücken gespechtelt. So haben alle um Mitternacht die Sachen gepackt und sich aufs Ohr gehauen.

 

21.August 2009 und Fazit

Nach dem Frühstück haben sind wir dann gegen Heimat aufgebrochen. Es war ein sehr erfolgreicher Astroausflug mit zwei hervorragenden Nächten und herrlichen Wetter am Tag. Und die gute Verpflegung nicht zu vergessen.

Bis zum nächsten mal auf Silvretta

Andreas