6 Stunden Weinberg - wie damals als es ATMN noch nicht gab

von Michael Wendl

 

 

Hallo zusammen,

wie die die Überschrift schon sagt, es war wie vor langer Zeit, als es ATMN noch nicht gab.

Als ich kurz nach 22 Uhr am Weinberg ankam, war noch niemand zusehen; die Wiese war leider
etwas weiter unten gemäht, jedoch machte mir dies nichts. Der Mond verstärkte die schon sehr
fortgeschrittene Dämmerung - nachtleuchtene Wolken waren nicht zu sehen - der Himmel war total
klar ... am Boden etwas dunstig.

Ich baute recht gemütlich meinen 16er Dobson auf - mit den neuen Rändelschrauben am Fangspiegel
war dieser auch viel viel schneller justiert - die abenteuerliche Beobachtungsnacht konnte beginnen.

Zuerst gönnte ich mir diesen wunderbaren Anblick, der wirklich (noch) ruhige Weinberg, der tief stehende
Mond und den ganzen Rundumblick bei einer Tasse Kaffee.

Dann ging es los mit dem Mond, natürlich war das Seeing sehr aktiv aber die scharfen kurzen Momente
eine Offenbarung an winzigen Kratern und scharfen Kanten an den Mondgebirgen.

Was war das! Ein näherkommendes rascheln hinter mir im hohen Gras - für einen Igel zu laut und für einen
Hasen zu schleichend... Der Mond stand schon recht tief am Horizont als ca. 15 Meter westliche von mir etwas
größeres aus dem Gras sprang. Ich zog sofort meine helle Taschenlampe und leuchtete das Vieh an.
Ein Fuchs! Ich klatschte in die Hände um ich zu verscheuchen, dies beeindruckte ihn nicht sonderlich. Im
Zick Zack kam er leicht unschlüssig auf mich zu. Ich stampfte fest in seine Richtung auf den Boden und rief
"schleich dich". Er machte einen Satz zurück und zog nicht sonderlich schnell den Hang herunter. Ich verfolgte
ihn mit dem Schein der Lampe und dem Fernglas... Immer wieder blickte er zurück zu mir...

Mist, habe ihan kurzzeitig aus dem Blickfeld verloren ... ah da ist wieder ein reflektierendes Auge... was macht
er nun wieder, gut 50 Meter von mir sah ich wie sich das Auge und sein recht unscheinbarer schemenhafter Körper
fest in einen Bodenmulde presste. Immer wieder flackerte die Reflektion des Lichtes am Auge durch dessen
Blinzeln.

Was treibt der da nur. Ich ging wieder zu meinem Teleskop und stellte M11 ein wunderbar dieser Anblick.
Ganz wohl war mir bei diesem lauernden Fuchs jedoch nicht; was führt der dort nur im Schilde? Immer wieder
leuchtete ich in seine Richtung ... und ja er war noch immer dort in der Mulde...

Abstecher zu Albireo - dies sind aber hell im 16er... Nun ging mir der Fuchs dort in seiner Mulde doch auf die Nerven,
ich machte mich mit der Taschenlampe am Fernglas in seine Richtung auf. 40 Meter... 30 Meter... 20 Meter das
Auge war deutlich durchs Fernglas zu sehen ... nun auch wieder mehr vom Körper. Aber warum sehe ich nicht so viel
vom Fuchs, so tief kann die Mulde doch nicht sein.... 15 Meter ... ich nahm das Fernglas ab, das Auge war nun auch
mit blosem Auge gut zu sehen.... 10 Meter... 7 Meter ... ein vogelhafter Aufschrei und das fluchtartige Geflatter lies mich
sowas von zusammen zucken, ihr glaubt es garnicht ein Horrorfilm könnte nicht weniger für einen Adrenalinschub sorgen.

Der Fuchs war also schon lang weg. Mit noch mehr geschärften Sinnen kehrte ich langsam zum Beobachtungsplatz zurück;
etwas meckernd über dieses blöde Ferdervieh - mich einfach so zu erschrecken. Noch in Gedanken versunken der nächste
Reisser - ein Feldhase schießt genau vor meinen Füßen aus dem Gras und weg.

Die nächste Zeit war es ruhiger, der Mond stand im dunklen organge-gelb über den Wipfeln des kleinen Wäldchen - es war
schon merklich dunkler. Immer noch keiner in Sicht. Blick auf die Uhr ... oha ... schon kurz vor 1 Uhr....

Nun legte ich los, mit einem Mini-Messier-Marathon ... M8, M20, M23, M17 ein irrer Anblick mit mit dem OIII, M16, nochmals M11,
M27, M57.... Zeit für eine kleine Pause. Im Campingstuhl lies ich den Blick umherschweifen und wurde von 2 schönen Meteroren
belohnt. Einer im Adler und einer im aufsteigenden Pegasus.

Schon wieder ein Rascheln, diesmal im südlich gelegenen hohen Gras. Schon kam ein Getappse in meine Richtung ... nicht
schon wieder dieser Fuchs, dachte ich mir. Mist jetzt muss ich mir meine Adaption nehmen, also Fernglas und Taschenlampe
angesetzt und den Blick über die Wiese gerichtet ... da, da bewegte sich doch was - ahhh ein Feldhase. Langsam hoppelte er
zum nordwestlichen Teil des gemähten Wiesenstück ...bleibt stehen ... schaut zu mir ... und kauerte sich in seine Kuhle, denn
er blieb da für die nächsten 90 min.

Zurück zu meinen Beobachtungsobjekten. Der Schwan stand nun sehr schön oben am Himmel, den Cirrusnebel und Sturmfalken
hab ich noch nicht mit dem 16er gesehen. Also hingeschwenkt. 26er Okular mit OIII-Filter - was für ein Unterschied zum 6er
Refraktor. Keine zarten Rauchschwaden, sondern ein richtig ordentlicher aber auch filigraner Nebel zeigte sich im Okular.

Rüber zu epsilon-Lyrae - war schnell getrennt in seine vier Bestandteile und wieder ein großer Schwenk zum Herkules.
M13 hochvergrößert bis zum 4,7er Meadeokular... M92, M51 sehr schön mit Spiralansätzen obwohl der Große Wagen recht
tief am Horizont lag.

Gegen 2 Uhr schwenkte ich auch zu Jupiter rüber, jedoch blieb ich nicht lange dort, da das Seeing heut' nicht für Planeten
geeignet war. Ja das fehlende Band fällt einem schon auf; auch bei schlechten Bedingungen...

Rüber zu Pegasus zu M15 auch ein schöner Kugelsternhaufen, ein Muss M31 mit M32 und M110. Weiter zu M33 und natürlich
suchte ich noch nach der Nebelregion NGC 604 in M33 - mit Erfolg.

Das nun keiner mehr kommen würde war mich klar, eine Beobachtungsnacht wie in alten Pionierzeiten - aber in den Pausen
fehlt etwas die Unterhaltung....

Naja weiter zur Kassiopeia, den Eulensternhaufen aufgesucht (NGC 457) - sehr schön diese Eulenaugen. Dann noch zu h und chi
Persei. Zum Abschluß noch die Plejaden... M1 war noch zu sehr im Dunst und vor allem in der beginnenden Dämmerung.

Nach 6 Stunden Beobachtungszeit habe ich dann abgebaut.

Kurz vor 5 Uhr kam ich Daheim an.

Eine wunderbare und spannende Beobachtungsnacht - wer nicht da war, der hat definitiv was verpasst!