Altes Tele-Zoom zum winzigen Refraktor umfunktioniert

von Sudan Jackson

 

Hallo – habe bei Astroftreff.de einen interessanten Beitrag von Matz gelesen wo er ein APO Teleobjektiv in ein 75/400 APO Refraktor verwandelt hat. Gute Idee dachte ich und fing an auch herumzubasteln.

Ich habe gleich am Frühstückstisch damit rumprobiert. Bei mir ist eben genauso, dass der Brennpunkt des Objektivs direkt mit dem Okular "übereinstimmt". Es gibt mehrere Möglichkeiten in den Fokus zu kommen:

1) Das Okular wird rein & raus geschoben bis die Abbildung scharf ist
2) man dreht den Fokusring des Objektivs
3) man ändert die Brennweite (dann auch etwas nachspielen mit dem Fokus)

Bei mir geht die Abbildung seltsamerweise wie beim Newton: Seitenverkehrt, auf dem Kopf stehend... Wollte das Bild umflippen mit einer Zenitprisma aber da ist der Weg viel zu lang und ich komme nicht mehr in den Fokus :-(

Hab schnell ein wenig damit rumprobiert und konnte keinen Farbfehler feststellen. Allerdings hatte ich "nur" ein 10mm Okular drin gehabt. Bei der Vergrößerung was das Bild vom Kontrast und Helligkeit her nicht weit entfernt von meinem 80/400 FH...

das ganze habe ich auch nochmal durchprobiert in allen möglichen Varianten. Von 4mm bis 25mm Oku, mit und ohne Barlow, etc. Rein per Zufall hatte ich ein altes Objektiv was seit Jahren nicht mehr im Gebrauch war (Sigma 70-210):

 

Also was habe ich gemacht:
den Schutzdeckel von der Bajonet-Seite des Objektivs habe ich auf einen Schraubstock gesetz und ein Loch reingebohrt wo der "OAZ" hinkommen sollte. Das hat leider nicht so gut hingehauen und das Loch ist nicht so richtig in der Mitte. Kein Thema: ich habe das mit Bohrmaschine und Schleiftool (sieht aus wie ein Lolly) einfach ausgeweitet. Jetzt ist das Loch viel zu groß und etwas "off-center", aber das lässt sich sehr leicht mit Elektroklebeband korrigieren.

Zum OAZ:
Ich hatte auch einen Tschewton (Tschibo-Netwon) herumstehen bei dem eine Umkehrlinse und ein Barlow aus Plastik dabei waren. Diese Dinger sind praktisch gar nicht zu benutzen also habe ich die "Barlow" auf den Schraubstock gesetzt und mit der Stichsäge auf die richtige Länge gebracht (das Ding war vorher ewig lang – kennt ihr bestimmt). Klebeband drum und rein in das Loch im Deckel. Passt wunderbar und alles sitzt sehr gut zentriert.



v.l.n.r. (die Einzelteile):

Das Objektiv, der Deckel, der "OAZ", 10mm Oku

 

Unglaublich – das funktioniert viel besser als ich dachte. Wollte zuerst etwas mit Rädchen bauen damit man den Oku rein- und rausfahren kann aber das ist hier wirklich überflüssig. Mit dem Fokusring am Objektiv lässt sich ein scharfes Bild einstellen, egal was für ein Oku drin ist!

 

Das Ganze sieht dann so aus:

 

oder so mit TS 2x Barlow (ein echter Barlow):

 

Toll, nicht? Das Beste ist: es funktioniert wirklich genau so gut wie mein kleiner 80/400 FH… Da ich die ganze Zeit gebastelt habe konnte ich aber keinen richtigen Vergleich machen. Das hole ich aber bestimmt nach, vor Allem wenn’s Dunkel wird ;-))) Aber der erste Test zeigt mir, dass das Bild schön sauber und sehr scharf ist. Mache mir aber Sorgen beim Lichtsammelvermögen da die Öffnung dieses Objektivs nur 52mm ist. Wiederum könnte das aber weniger problematisch sein: mein 10x50 Fernglas zeigt ein sehr klares, helles Bild. Müsste mit dem Objektiv hier so ähnlich sein, nur dass ich damit auch höher vergrößern kann. Habe gestern M13 mit dem 10x50 besucht und konnte ihn sehr deutlich ausmachen (natürlich nicht aufgelöst, sondern als fleck mit hellem Zentrum). Wenn ich das mit diesem neuen "Sköpchen" hinkriege bin ich voll zufrieden. Orion-Nebel, Gallileischen Monde, etc. gehen mit Sicherheit gut – am dunklen Spechtel-Ort sollten die helleren Messier-Objekte auch gehen (Bsp.: M51 ging schon in meinem 10x50 – gesichtet durch den Genossen Martin Meininger auf dem "Weinberg" nähe Allershausen – raum München).

Zu den Okularen ist nur zu sagen, je kleiner, desto dunkler (oh Wunder…). 4mm ging gerade noch also würde ich da nicht noch mit ‚nem Barlow rummachen wollen. Ansonsten war das Bild mit 25mm schön klar und knusprig. 6mm war auch noch gut – sogar fast besser als im Tschewton. Macht sicher ein schönes Richfield-Gerät für null komma nix.

Als Winkel-Sucher einsetzen?
Das habe ich auch probiert. Dafür habe ich probeweise ein Zenitprisma eingesetzt:

 

 

Einziges Problemchen ist wie bereits beschrieben, dass der Weg zum Okular dann viel zu lang ist. Ich habe einige Experimente gemacht und bin noch nicht fertig. Beim entfernen der "Röhrchen" aus dem Zenitprisma (zum OAZ hin und zum Okular) habe ich festgestellt, dass ich immer näher an den Fokuspunkt komme. Das muss doch irgendwie klappen -> in der SLR-Kamera ist auch ein Spiegel drin… Würde auch gerne einen Test mit Zenitspiegel machen. Kann mir Irgendwer sagen, ob das Licht einen "kürzeren" Weg hat beim Spiegel? Beim Prima wird das Licht doch gebogen, etc., oder? Beim Spiegel einfach reflektiert…

Auf jeden Fall ein spaßiges "Projekt" und eine tolle Idee von Matz. Berichte nach dem First-Light folgen!

Greetz,
Jacko