Das Projekt „Privatsternwarte Pegasus“!

von Peter Mielke

 

 

 

Nach drei Jahren „Nomadenspechteln“, fasste ich im September 2007 den Entschluss, sesshaft zu werden und mir meine eigene kleine Sternwarte zu bauen!

Die wenige Zeit die mir für mein Hobby bleibt, wollte ich nicht mehr länger mit aufbauen, auskühlen lassen, wieder abbauen - weil mittlerweile dicke Wolken aufgezogen - sind, anschließend ärgern, weil es doch wieder klar wurde, und ähnlichem Übel verderben. Ein weiterer Grund war der Platzmangel im Haus, der durch die ganzen Kisten, Koffer, Stative und sonstigem Astrozeugs entstanden war und immer wieder für Diskussionen mit der „Hausverwaltung“ führte! :-)                                                                                                                                                                                     Abgesehen davon, wird das Equipment von dem hin- und her Geschleppe auch nicht besser!  

Es gibt viele Möglichkeiten, sich eine stationäre Basis für sein Teleskop zu schaffen.                                                                                                       Vom einfachen Schutzhäuschen auf Rollen, über die Balkonsternwarte bis zum ausgebauten Dachboden. Für welche man sich letztendlich entscheidet, hängt von den örtlichen Gegebenheiten, den eigenen Ansprüchen und natürlich auch vom Geldbeutel ab. Will man dann noch selber Hand anlegen, werden die eigenen Möglichkeiten und vor allem Fähigkeiten, oftmals den Ausschlag geben.

Nach gründlicher Überlegung und schmökern in Berichten über bereits fertige Projekte anderer Sternwartenbauer, entschied ich mich dann für den Bau einer Rolldachhütte. Zum einen, weil mir die Technik des Schiebedachs von allen Möglichkeiten am besten gefällt, und zum anderen, weil ich als Schreiner bei dieser Bauweise fast alles selber machen kann und dafür auch maschinell komplett ausgerüstet bin. Da meine Ausrüstung ganzjährig aufgebaut bleiben soll, war mir eine besonders stabile Ausführung wichtig. Ein Kuppelbau macht natürlich schon auch was her, ist aber gerade deshalb auch sehr auffallend, was ich eher vermeiden wollte!

Außer den grundlegenden Fragen, sollte sich der angehende Sternwartenbauer vor Beginn der Bauarbeiten auch mit rechtlichen und versicherungstechnischen Fragen befassen! Ob und in welcher Form eine amtliche Baugenehmigung erforderlich ist, muss vor Ort geklärt werden. Die Bestimmungen variieren da oftmals. Das zuständige Gemeindeamt wird hier sicher gerne Auskunft geben.

Die Ausrüstung sollte, auch wenn sie in der Sternwarte aufbewahrt wird, über die Hausratversicherung abgedeckt sein. Das Gebäude kann dagegen möglicherweise in eine bestehende Wohngebäudeversicherung übernommen werden. In jedem Fall muss man sich das evtl. vom Versicherer zugesagte schriftlich bestätigen lassen.

Nun aber genug der Theorie!

Greifen wir zu Hammer und Spaten! :-)))

(Für größere Darstellung auf das entsprechende Bild klicken)

Ende Dezember 2007 nahm die Sache dann erstmals so richtig Gestalt an!

Ein im Maßstab angefertigtes Holzmodell sollte meiner Frau und den Nachbarn zeigen, was da auf sie zu kommt :-)

Das Außenmaß der Sternwarte habe ich auf 400 cm x 295 cm festgelegt!

 

 

Bereits am 21. Februar 2008 war die Planung im Prinzip abgeschlossen, die Angebote für das benötigte Material eingeholt und die Witterung so gut, das ich den Sockel für die Säule (70 x 70 x 80 cm) und auch gleich die Punktfundamente (30 x 30 x 80 cm) betonieren konnte.

Die Säule wurde auf 2 x betoniert. Zuerst nur der Sockel. In diesen wurde gleich ein 200 mm KG-Rohr etwa 15 cm tief, lotrecht eingesetzt. 3 Tage später wurde dann die Säule selber aufgefüllt. In das Rohr wurde vorab schon die Aussparung für die Elektrik mit den dazugehörenden Leerrohren, sowie die Basisplatte für die Montierung eingebaut. Die Stahlarmierung reicht natürlich von der Basisplatte bis in den Sockel und ist mit der dortigen Armierung verbunden.

 

 

Zwei Wochen später sah meine Baustelle schon viel besser aus: Die Leerrohre (auch die Zuleitung vom Haus her) waren verlegt und auch die Einfassung mit den Pflastersteinen, die mir das spätere Rasenmähen erleichtern, waren bereits fertig. Wegen der Leerrohre sei noch folgendes angemerkt: Lieber eines mehr einbauen, bzw. den größtmöglichen Durchmesser verwenden!

Die Elektriker bestehen bei nicht einbetonierten Rohren, auf die Verwendung der fetten Erdkabel! Ich bin von losen Kabelstrippen ausgegangen, und hatte dadurch ein echtes Problem! Speziell in der Zuleitung vom Haus her (das geplante Netzwerk-kabel passte nicht mehr mit durch) und in der Leitung zur Säule. Nur mit viel gutem Zureden bekam ich die Kabel für 12 V, 220V und das USB-Kabel in dem 25 mm Rohr das zur Säule führt unter!

 

Der Gott des Wetters war mit mir, und so konnte ich schon bald darauf die Bodenplatte montieren. Als Lager kamen Leimholzbalken mit 8 x 12 cm zur Verwendung, die mit Hilfe von Schwerlastankern mit den Punktfundamenten verschraubt wurden. Auf diesen wurden dann die 22 mm starken OSB-Platten verlegt. Bei der Montage der Balken und der Platten ist darauf zu achten, das kein Kontakt zur Säule entsteht. Somit wird vermieden, das sich Erschütterungen des Bodens auf die Säule übertragen

 

Um zu verhindern, das sich im Hohlraum unter der Hütte allerlei Getier wie Wespen, Hornissen, Mäuse, Marder, aber auch die Katze vom Nachbar ansiedelt, hab ich ein verzinktes Lochblech ringsum als Barrikade angebracht, welches etwa 10 cm in den Boden reicht. Die Bohrungen haben gerade mal 3 mm, und unterbinden damit zuverlässig das Einziehen unliebsamer Untermieter, sofern sie größer als Ameisen sind :-)

Dummerweise war ich da aber etwas zu schnell, denn ich musste das Blech dann doch noch mal demontieren, um an die Befestigungsschrauben für die Wände ran zu kommen!

 

 

Am 29. März war es dann soweit!

Der Aufbau der Hütte konnte in Angriff genommen werden.

Als erstes wurden die beiden Seiten mit den 7,5 m langen, und 16 x 12 cm starken Leimbindern fixiert. Auf diesen 2 Balken läuft nachher das rund 450 kg schwere Dach! Da wollten wir keine Kompromisse eingehen! Die restlichen Balken sind wieder herkömmliches Konstruktionsholz im Querschnitt mit 12 x 6 cm.

Wie man auf den Bildern sieht, wurde jede Wand für sich zusammengebaut und aufgestellt! Diese gegenüber einem „normalen“ Hüttenbau zweifelsfrei aufwendigere Konstruktion hat den Vorteil, dass ich die ganze Hütte (mit Ausnahme der Bodenplatte) im Falle eines Falles mit relativ wenig Aufwand (einen kleinen Autokran vorausgesetzt) in die vier Außenwände, die Trennwand und das Dach zerlegen und abtransportieren kann. Man kann ja nie wissen :-)

 

 

Hier sieht man im Hintergrund bereits das vormontierte Dach liegen. Die Balken hierfür hatten wir noch vor dem Aufstellen der ersten Wand, auf der Bodenplatte aufgelegt und miteinander verschraubt.

Das hatte den Vorteil, dass wir die Dachkonstruktion in Bezug auf Winkligkeit und Maße exakt der Bodenplatte anpassen konnten, ohne dabei in fast 3 Meter Höhe auf den Balken rumturnen zu müssen!

Präzises, „gefahrloses“ Arbeiten war angesagt!

Als Schreiner hab ich halt lieber festen Boden unter den Füßen :-)))

 

Die Schwierigkeit bestand dafür darin, das Gestell auf den Unterbau zu bekommen. Ich musste die gesamte Nachbarschaft anheuern, um dem Dach zu seinem Stapellauf zu verhelfen und es nach oben zu wuchten! Zum Glück sind ja aber Samstags die meisten Männer zu Hause am Werkeln, so dass ich die Truppe bald zusammen hatte!

Als ich nach dem Auflegen des Daches ein paar Schritte zurückging und das ganze Ausmaß dieses Projektes erstmals vor mir sah.............boah!

 

Nach diesem Gewaltakt wurde das Dach dann nochmals unterbaut, die sechs Rollen(drei pro Seite) in die vorher ausgefrästen Taschen der unteren zwei Dachbalken eingesetzt, die Führungsschienen positioniert, das Dach auf die Schienen abgelassen und diese dann präzise mit den Auflagebalken verschraubt.

 

Die Mühe und das genaue Arbeiten hat sich gelohnt, denn heute lässt sich das immerhin etwa 450 kg schwere Dach leicht mit einer Hand bewegen!

Die Befestigungsplatten für die Rollen sind, so wie die Schienen auch, selber konstruiert. Die Anfertigung überließ ich dann aber doch lieber den Metallern in der Familie :-)

 

Nun wurde es Zeit, das Dach zu schließen!

Die Bodenplatten sind zwar wasserfest verleimt, „im Regen stehen lassen“ sollte man sie aber trotzdem nicht allzu lange!

Auch für’s Dach kamen wieder die 22 mm OSB-Platten zum Einsatz. Da ich mich beim Dachbelag für Bitumenschindeln entschieden hatte, benötigte ich zur fachgerechten Montage derselben, die etwas stärkeren Platten. Vorab wurde aber erstmals nur die Dachpappe aufgebracht.

 

 

Für die Verkleidung der Außenseite hatte ich mir Nut + Feder Bretter in Fichte besorgt und vor der Montage beidseitig mit Holzschutzlasur gestrichen. Übrigens sollten alle Holzteile vor der Montage mindestens einmal mit Holzschutzlasur gestrichen werden. Den erforderlichen zweiten Anstrich der Außenseite, werd ich in den nächsten Tagen nachholen. Hier sieht man jetzt auch schon das einzige Fenster der künftigen Sternwarte:

Ein Holz/Alu Verbund- Musterfenster, das einmal in unserer Ausstellung präsentiert wurde. Die Sonderfarbe? Die war im Preis schon drin :-))) Ach ja, den „Untermieterschutz“ konnte ich mittlerweile auch wieder anbauen! :-)

 

Hier schon mal ein Blick ins Innere der Hütte, bei dem auch die bereits eingebaute Türe zu sehen ist. Es handelt sich um eine Sicherheits-Stahltüre, die ich äußerst günstig ergattern konnte. Klar wird jetzt manch einer sagen:

„Ein Schreiner kann sich doch selber eine schöne Haustüre bauen!“

Freilich kann er das! Aber wenn sie nur halbwegs so sicher sein soll, wie diese verstärkte Stahltüre, kostet sie auch selbstgemacht noch ein vielfaches dessen, was mich dieses gute Stück hier gekostet hat

 

Und weiter geht’s!

Das Dach wurde nun endlich mit den Bitumenschindeln belegt und während mein Schwager (der zufällig Zimmermann von Beruf ist:-)) am Arbeiten ist, bin ich auf „Fotosession“ unterwegs!

 

Die mittlerweile eingebaute Klappe an der Südseite der Hütte, ermöglicht mir freie Sicht bis zum Horizont. Leider die einzige Seite, bei der ich diese Sicht genießen kann.

Auch die Verschalung der Außenseite ist nun fast fertig!

 

Etwas knifflig war das Verkleiden der Anschlussfuge, die sich zwangsläufig durch das aufgesetzte Schiebedach ergibt. Aber letztendlich gab es dann doch eine gute Lösung, und der Wind wird es schwer haben, mir den Schnee ins Innere zu wehen.

Seitlich und hinten wird das sicher durch angebrachte Blenden verhindert, die mit geringem Spaltmaß an der Wand ansetzen.

 

Die Vorderseite wird dagegen auf der ganzen Breite mit einer Auflaufbürste geschlossen.
 

Ein weiterer „Knackpunkt“ war auch die Sicherung des Daches!

Die einfachste Möglichkeit das Dach zuverlässig zu halten, wäre wohl auch die teuerste gewesen! Ein sogenannter Spannhebelverschluss liegt, in der entsprechend benötigten Größe, bei etwa 90 Euro! Per Stück! Dieses M16er Seilschloss (nein, hat nix mit dem Adlernebel zu tun :-) ) ist zwar ein klein wenig „umständlicher“ zu öffnen, hat pro Stück inkl. der Haken aber nicht mal 10 Euro gekostet!

Die Ersparnis von über 320 Euro ist mir den Mehraufwand beim öffnen wert! Das Dach hält bombenfest und ist auch so, in nur einer Minute geöffnet!

 

Hier sieht man außer der Dachsicherung auch noch einen der zwei Verschlussriegel für die Klappe vorne. Ebenfalls eine sehr sichere, stabile Sache und nur von innen zu öffnen. Die LKW-Plane, die links unten im Bild zu sehen ist, hat den Zweck, auch bei geöffneter Klappe einen in der Höhe variablen, leicht zu verstellenden Streulichtschutz einsetzen zu können.

Wie man sieht, hab ich auch die Wände mit OSB verkleidet. Materialstärke hier aber nur 15 mm.

 

Nun aber zur schönsten Arbeit des ganzen Projekts: der Inneneinrichtung!!!

Am 28.April 2008 war alles vorbereitet! Die Anlage war insoweit fertig, dass ich ihr meine Ausrüstung ruhigen Gewissens anvertrauen konnte! Die ersten Starkregen- und Sturmtests waren schadlos überstanden, der Einbau sicherheitstechnischer Maßnahmen abgeschlossen und, meine Ungeduld nicht mehr auszuhalten :-)

Ich darf Euch zu einer kleinen Führung durch meinen wahrgewordenen Wunschtraum einladen! Bitte folgt mir :-)

 

Von außen gesehen, kommen wohl nur wenige auf den Gedanken, das es sich hier um ein kleines Observatorium handelt!
Die Schäden, die während der Bauphase am Garten entstanden sind, wurden weitestgehend beseitigt. Alles sieht sauber und unauffällig aus. Höchstens die Balkenkonstruktion an der Hinterseite des Schuppens, könnte zum Überlegen anregen

 

 

Aber gehen wir mal rein in die gute Stube :-)

Nach Betreten der Sternwarte befinden wir uns zuerst im „Geräteraum“. Diesen Bereich hab ich mit einer Zwischenwand vom Rest der Hütte getrennt. Er bietet den nötigen Stauraum für das gerade nicht im Einsatz befindliche Equipment.

Das Dach wird im Normalfall nur bis zu dieser Trennwand geöffnet, wodurch sich ein eigener kleiner Raum bildet. Dadurch sollte es einer evtl. einsetzenden Taubewässerung deutlich erschwert werden, sich gleich überall breit zu machen! In die Trennwand hab ich zudem einen Drehteller integriert, auf dem ich das Laptop schnell und einfach in den Beobachtungsraum schwenken kann.

Bei Planetenaufnahmen mit der WebCam zum Beispiel, hab ich den Monitor zum fokussieren direkt am Teleskop. Zur Aufnahme wird „Läppi“ dann wieder ins Trockene rüber geschwenkt. Das schützt den PC vor Feuchtigkeit, und hält die Strahlungswärme und das Licht des selbigen vom Teleskop fern.

 

Durch einen offenen Durchgang in der Trennwand, gelangen wir dann in den „Arbeitsbereich“ des Beobachtungsraumes. Hier können im Rotlicht Aufsuchkarten studiert werden, Beobachtungsnotizen geschrieben werden, und man findet alles, was man während dem spechteln benötigen könnte. Unter dem Drehteller befindet sich auch der Anschluss für das USB-Kabel, das von dort direkt zur Säule geht. Auch 12V und 220V sind hier verlegt. Kein „Kabelstolpern“ mehr! :-)
Und hier nun, das Herzstück meiner Sternwarte:

Ein Celestron C9,25 auf der Vixen Sphinx Montierung! Das Schmidt-Cassegrain Teleskop bietet 235 mm Öffnung und 2350 mm Brennweite und wurde mittlerweile von mir mit Crayfordauszug und Velourfolie aufgerüstet.

Seit über 2 Jahren bereitet mir mein C9 nun schon jedes mal auf’s neue einen riesen Spaß, und nachdem in Zukunft auch noch die für SC’s typisch lange Auskühlzeit wegfällt, sehe ich im Moment keinen Grund, mich teleskoptechnisch zu verändern.

Aber wer weiß, die Säule verträgt jedenfalls noch einiges mehr an Zuladung :-)))

 

Der Blick von außen in die geöffnete Rolldachhütte......
......und der entgegengesetzte Blick, in Richtung Süden.

Wie schon erwähnt, leider die einzige Richtung mit Horizontsicht!

Aber immerhin :-)

 

 

Da das Wetter nach dem Aufbau des Teleskops, entgegen aller Befürchtungen, tatsächlich astrotauglich blieb, hatte ich die letzten Tage ausgiebig Gelegenheiten, alles an und in der Hütte zu testen. Rolldach, Klappe, Drehteller, Elektrik und alle anderen technischen Dinge arbeiten hervorragend, bzw. lassen sie sich perfekt bedienen! Auch der Temperaturausgleich klappt besser als erwartet. Zumindest hatte ich bisher nur minimale Unterschiede zwischen den gemessenen Werten innerhalb und außerhalb der Hütte. Die größten Abweichungen (bei 27° im Schatten, bisher max. 4° +/-) lassen sich am frühen Morgen und am frühen Abend feststellen.

Mit Hilfe meiner Familie und ein paar guten Freunden, konnte ich mir in sehr kurzer Bauzeit einen echten Traum erfüllen! Ein unbeschreibliches Glücksgefühl überkommt mich, wenn ich Nachts die Sternwarte betrete, das Dach zurückfahre, und den klaren Sternenhimmel über mir sehe! Es ist mein eigenes, kleines Universum, in das ich mich begebe!

 

CS,

Peter